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Good Evening Lautern

Geschrieben von Chrischi am . Veröffentlicht in News

Good Evening Lautern 

(That's the way eastern boys are doing it) 

 

 

"You are looking very well this weekend, Hamburg!" 

"Well, I must say, everything looks very nice, is everybody here, Lautern?" 

"Indeed, they are, yeah, yes... They are all here for your arriving, Hamburg!" 

 

"All places laid out, Lautern?" 

"All laid out as usual, Hamburg!" 

 

"You may now serve the entertainment program, Lautern!" 

"Same procedure as every year, Hamburg?" 

"Same prodedure as every year, Lautern!!" 



 

Der Norddeutsche an sich lässt sich durch Schnee und Eis zwar überreden, einen Pullover überzuziehen, aber von einem Besuch bei unseren Pfälzer Freunden lässt er sich weder durch lange Anreisen noch durch mieses Wetter abbringen! Die Turnierplätze waren flott besetzt. Zu den alten Recken gesellten sich auch ein paar ganz neue Gesichter.

 

 

Wer in Hamburg groß geworden ist, ist der Meinung, dass alles hinter Hannover zu dieser Jahreszeit in ein pudriges Wintervergnügen versinkt, doch entgegen aller Erwartungen beschloss Frau Holle ihre Winterferien im Norden zu verbringen. In der Pfalz lagen also nicht, wie befürchtet 3 m hohe Schneewehen und da bei einer Außentemperatur bei -15° C - nein, eigentlich war es sogar wärmer und matschiger als bei uns Fischköppen.

Aber das Wetter greift jetzt vor das Geschehen und die Überraschungen, die 6 Stunden Bahnfahrt für uns bereit hielten. Das der Zug den Hbf Hamburg um 17.24 Uhr verlassen sollte, war bekannt, völlig im Unklaren war hingegen der Treffpunkt. Trotz aller Spontanität klappte das Entermanöver recht unproblematisch, irgendwo zwischen Gleis a/b prallten die Spieler aufeinander.

 

 

Im ICE wurde es schnell gemütlich, nachdem man sich häuslich eingerichtet hat, die Treibstofftanks sicher positioniert wurden, alle Karten neu gemischt waren und das Häkelzeuchs entwirrt schien, sauste die Bahn schon über die Elbbrücken.

 

Wir erfreuten uns der Gesellschaft und lernten unsere erste Vokabel Ungarisch während der Verkostung der fremdländischen Mitbringsel. Pflaume und Honig - Janos weiß, wie man Stimmung macht. 'Egészségedre!' - Jui, 7 Konsonanten und nach 2 Stunden kann auch ein Deutscher mit viel Zielwasser so komplizierte Wörter aussprechen.

 

 

Um den großen sprachlichen Gesten gerecht zu werden, beschlossen wir, es mit Activity Travel zu versuchen, linkes Abteil gegen rechtes Abteil - dieses Spiel versprach viel Spaß. Wirklich außergewöhnliche Begriffe hieß es dann nachzubilden, darzustellen oder auch zu erklären. Wer in der Lage ist, einzelne kanarische Inseln pantomimisch zu verdeutlichen, muss kurz vor dem Geniestatus liegen. Nachdem haufenweise Strichmännchen aufgehängt wurden, und Personen vollkommen verknotet durch das Abteil hoppelten, sich also die Mannschaft intellektuell sowie körperlich stark verausgabt hat, mussten wir auch schon in die S-Bahn umsteigen.

 

 

Die S-Bahn könnte man auch Surprise-Bahn nennen, dieses Mal: Diskobesucher mit Tannenbäumen. Und wir dachten schon, mit unseren Sporttaschen den Fluss der Mitreisenden erfolgreich blockieren zu können - die Tannenbaumnummer war aber mit Abstand viel effektiver. Freier Disko-Eintritt bei mitgeführtem Tannenbaum. Das war Ansporn genug. So wartete die heraus geputzte Pfälzer Jugend zusammen mit dem dazugehörigen abgeschmückten Grünzeug auf den baldigen Besuch in der Zappelhalle.

 

 

Ohne Verspätungen (!), Ausfällen (!!) oder anderen kreativen Manövern der Deutschen Bahn (!!!) kamen wir in Kaiserslautern an, die lieben Pfälzer warteten schon auf uns, und so schnell wie dieses Jahr waren wir noch NIE im Schwimmheim.

 

 

Dort konnten wir dann unser Wiedersehen gründlich feiern, obwohl Hamburg schon echt durch die maikühlen Temperaturen gerockt war. M's zusammengebrauter Pasta-Duft schwebte durch den Raum, Bianca, Nicole, und all die anderen lieben Gesichter hießen uns herzlich willkommen. Der erste Abend ist schließlich die Tradition, noch einmal ruhig und gut gelaunt ein paar Worte wechseln zu können, wozu später im Höllenlauf des Turniers nicht mehr viel Zeit bleiben sollte. Das Schwimmerheim hatte sich herausgeputzt und das Motto traf ins Schwarze: Väterchen Frost hing von der Decke herab, während an den Fenstern eine Reihe SEHR leicht bekleidete Szenen aus der Vergangenheit die Atmosphäre aufheizte. Auf uns wartete noch ein bekanntes Gesicht, der Recklinghausener mit dem feuchten Humor und der unglaublichen Partyprofessionalität war zugegen, um mit uns den Saisonstart zu feiern. Aber der illuminierte Höhepunkt erwartete uns noch, denn Björn musste noch kräftig hochgelebt werden, schließlich wurde in seinen Geburtstag hinein gefeiert!

 

 

 

"You look younger than ever, love! Younger than ever, Hamburg!"

 

 

 

Eine Hälfte von uns entschied sich, Karlsruhe zu erwarten, die andere blieb von dieser Nachtwache verschont und schlief sich tüchtig aus.

 

 

Die Spiele am nächsten Tag begonnen erst gegen 14.00 Uhr - dieses Mal lief für Hamburg nicht alles rund: Die alte und lieb gewonnene Ecke wurde aufgegeben und wir eroberten den Platz, den Neuss diesmal nicht besetzt hatte. Einige Mitspieler wurden mittels eines diffizilen Auswahlverfahrens für andere Mannschaften bereitgestellt, Daniela, Torben und Marcel verdienten sich bei Villingen-Schwennigen und darüber hinaus halfen Daniela und ich auch noch schnell bei Saarbrücken aus, die Mannschaft, die so arg angeschlagen sich der großen Aufgabe stellte.

 

 

Der Rest schlug sich gegen Lautern Eins (Ach Nicole - man kommt einfach nicht an Dir vorbei!) und Ludwigshafen wacker, verlor aber die ersten beiden Spiele - gegen die Uni Uni Karlsruhe gewannen die Hamburger souverän. Zügig wurde das kleine Schulbecken verlassen und der Weg in das Schwimmerheim gesucht. Lautern bescherte Hamburg dieses Mal eine kräftige Schocksekunde - sollten wir wirklich ausgelaugt nach dem Spiel den weiten Weg um den Betzenberg herum,  um den Kreis der Freundschaftself, vorbei am Zirkus zurück zu Fuß?!

 

 

Doch ganz plötzlich wurde aus unserem Schreckmoment eine coole Fahrt mit dem kleinen Jeep und wir kamen doch noch flott zu den bereitstehenden Pastaspezialitäten unserer Gastgeber, die sich alle Mühe gaben, die über 100 hungrigen Mäuler zu stopfen - was wirklich anstrengend gewesen sein muss.

 

 

 

"It's one of the nicest little women, one of the nicest little women, that's ever breathed, ever breathed...I now declare this bazar opened !"

 

 

 

Nach kurzer Diskussion über die weitere musikalische Gestaltung des Abends konnte es *endlich* losgehen. Und schon waren alle Tische beiseite gestellt und der Weg war frei für die Discofoxtruppe. Auch dieses Mal hat Hamburg sich etwas ganz Spezielles als Beitrag zum Gelingen einer guten Party ausgedacht: Die Spieler blockierten einfach die üblichen Fluchtwege und verhinderten so höchstwahrscheinlich den moralischen Untergang der Spielerinnen von Stolberg sowie schlimmere Vergiftungen von Karlsruhe, die gewisse Sachen des Unilebens noch lernen müssen, besonders den Umgang mit Chemikalien, wie dem bereit gestellten Frostschutz (der scheint noch nicht routiniert genug).

 

 

Hamburg hatte also gerade das Schlimmste verhindert, so konnten sich die Hanseaten ein kurzes Duell auf der Tanzfläche erlauben. Unser Neuzugang aus Ungarn gegen zwei Urgesteine aus Hamburg, lieferten sich ein Fuß an Fuß Rennen im Frauen-zur-Musik-Schieben. Im Verhältnis Körpergröße zur gebotenen Eleganz schnitt Ungarn ziemlich gut ab, aber raumgreifender waren die Hanseaten und so blieb es unentschieden. Aber auch die anderen Mannschaften machten so richtig was los - Saarbrücken warf alle orthopädischen Hilfsmittel (Frostschutz scheint ein Wundermittel) von sich und beteiligte sich kraftvoll an der Stimmung, und auch Stuttgart brachte sich offenherzig ins Gespräch.

 

 

 

"Sugar in the morning, Lautern"

 

 

 

Die Tanzerei dauerte an bis tief in die Nacht, die Reihen dünnten sich aus, die letzten Karlsruher und Saarbrückener schliefen gleich an Ort und Stelle ein.

 

 

Der nächste Morgen begann früh. Verdammt früh. Und heute hieß das Hamburger Motto "Schweinsgalopp" Hopp zum Frühstück und für drei Sportler hieß es: Erstes Spiel, ab ins Becken, Villigen-Schwennigen möchte siegen! Das Sportteam war unwesentlich später dran, und wir schlugen Saarbrücken - die noch nicht ganz so fit waren. Aber bevor ich jetzt mit der "Der frühe Vogel fängt den Wurm"-Story beginne... Saarbrücken war wie gesagt, gesundheitlich angeschlagen, Mittelohrentzündung, Schulter ausgerenkt - naja, in Hamburg Sommer 2010 ist Saarbrücken wieder fit!!

 

 

Jetzt wartete das Sportteam auf sein letztes Spiel, danach würde es sofort ("Gehe nicht unter die Dusche, ziehe kein Startgeld mehr ein, begib Dich direkt zum Bahnhof!") zur S-Bahn gehen. Wie bei einem Triathlon packten wir alles zum Hineinschlüpfen bereit. Etwas unruhig und unentspannt gingen die Spieler dann in ihr letztes Platzierungsspiel und verloren knapp gegen Karlsruhe 1 (ein Unentschieden wäre zeitlich ungünstig gewesen!) - damit war der 6.ste Platz sicher und hopp, Luft holen konnten wir auch in der S-Bahn. Expressverabschiedung - leider - von unseren Freunden. Und im Bus der Karlsruher (vielen, vielen Dank!!) sowie dem fleissigen Kind des Ruhrgebiets erreichten wir pünktlich die Bahnhofshalle. Die S-Bahn war nicht mehr bewaldet und die Fußballfans (Hassgegner Mainz) waren nicht so zahlreich wie befürchtet. Durch die frühe Abfahrt gelang uns noch der ein oder andere Blick in die Pfalz, während sich die S-Bahn gemütlich durch die Landschaft fädelte. Zur Rückfahrt möchte ich nur schreiben, dass der Fall der Fälle endlich eingetreten ist: Die Bahn nach Hause war nicht nur pünktlich! Nein, der ICE war 3 Minuten zu FRÜH!!!

 

 

In dieser Sternstunde des deutschen Bahnverkehrs dabei sein zu dürfen, erfüllte uns mit Stolz und Bewunderung. Aber hauptsächlich wurde die Rückfahrt zur stillen Reflexion genutzt, ein  wenig wurden Karten geschoben, aber in Anbetracht der dieswöchigen Ligaspiele, schonten wir alles, was uns möglich war und träumten noch von den verwegenen Momenten der gestrigen Tanznacht.

 

 

 

"I think I'll retire, Lautern"

"You're going to bed, Hamburg?"

"Yes, Lautern"

 

 

 

Wir möchten uns bei unseren Gastgebern bedanken, die es diesmal nicht leicht hatten - und trotzdem so lieb für uns gesorgt und für uns da waren. Am liebsten würden wir gleich wieder herunter fahren und das nächste Wochenende wieder gegen Euch spielen und gegen all die anderen Mannschaften, die für ein kurzweiliges, abwechslungsreiches Wochenende gesorgt haben. Wir freuen uns schon auf Euren Besuch im Sommer, Euch wieder spielerisch die Stirn zu bieten und mit Euch ein Wiedersehen zu feiern! Vielen Dank an diejenigen, die mit ungeplantem Fahrservice uns aus der Patsche geholfen haben!

 

 

Viele Grüße in die Pfalz, an Sabine, Nicole, Bianca, M., Stranzi, Nora und all die anderen, die immer so herzlich zu uns sind! Vielen Dank an unseren Reiseleiter, für die klaren Ansagen, den knackigen Ablauf, aber vor allem der gelungenen Organisation, schließlich sind wir alle wohlbehalten hin- und wieder zurückgekommen!

 

Bis hoffentlich ganz bald und allerallerspätestens beim nächsten Neujahrsturnier!!

 

 

"Ya...ya. - By the way, the same procedure as last year, Hamburg?"

"The same procedure as every year, Lautern"

"Well - I'll do my very best, Hamburg!"

 

 

Chrischi