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-15° in Kaiserslautern 2009 - das muss gefeiert werden!

Geschrieben von Chrischi am . Veröffentlicht in News

Das Neujahrsturnier in Kaiserslautern ist auch 2009 wieder der Startschuss zur Turniersaison des Sportteams. Die Plätze waren nach Bekanntgabe sofort ausgebucht und es wurde dieses Jahr zur Freude aller eine zweite Mannschaft mit ins Rennen um den Sieg geschickt. Zahlreich wie selten zuvor machte man sich an die Vorbereitungen eine Woche nach Jahresbeginn - die Reise zu unseren Freunden nach Kaiserslautern. Die Priorisierung des Turnierzubehörs in den Taschen der noch nicht ganz so erfahrenen Mitspieler übernahmen Ole, Holger und Tom. Überflüssiges (Ach, welch ein Wortspiel!) wie Wechselwäsche, anspruchsvolle Lektüre oder Körperpflegeprodukte aller Art verließen Hamburg nicht. So blieb genügend Platz in den Taschen für die Turnierunterlagen und die Gewichtseinsparung verschaffte uns Vorteile, bei den von der Bahn sabotierten Umsteigemanövern. Die Aufgaben waren klar verteilt. Die Bahn verkürzte uns die Zeit für die Bahnsteigwechsel und wir rannten dann, um die Verspätung wieder aufzuholen, im Schweinsgalopp durch den Mannheimer Bahnhof. Die Zeit in der Bahn vertrieb man sich, ebenfalls ganz traditionsbewusst mit lustigen Gesellschaftsspielen. Auch wissen wir, dass sich Umgangston und Erscheinungsbild der "S-Bahn" um so späte Stunde von dem des ICEs deutlich unterscheidet. Es bedarf immer einiger Mühe, die Mitreisenden in der S-Bahn zu überzeugen, wer sich am stärksten daneben benehmen kann. Im Bermudadreieck zwischen Mannheim, Frankfurt und Lautern muss ganz abgesehen davon auch eine sehr sonnenreiche Region sein - die Einfluss auf Hautfarbe und auch Sprache hat. Der Empfang in Lautern wie immer ein Kontrast zwischen dem Frost in Januar und der Herzlichkeit der Gastgeber. Schnell brachte man uns ins Gasthaus zum Schwimmenden Reisenden und feierte mit uns den Turnierstart. Da es schon im ganzen Raum nach Nahrungsmitteln duftete, musste für Hamburg auch noch Essen auf Rädern bestellt werden, denn um die Nacht durchzufeiern, musste natürlich auch eine gescheite Grundlage geschaffen werden.

 

Der nächste Morgen war wie üblich hart, obwohl uns Lautern eine Nacht im Himmel gönnte und das Frühstück am nächsten Morgen spät angesetzt war, das Gefühl, dass wir Hamburger die Höhenluft einfach nicht vertragen, wird immer stärker. Zwei Nutellabrötchen und 2 Liter Kaffee sorgte für den nötigen Tritt in den Hintern und ab ins Schwimmbecken. Auf uns wartete eine ganz in ihre Vorbereitungen vertiefte Gastgebermannschaft,ein ruhiges, einladendes Becken und natürlich unsere Lieblingsecke, hinten rechts am Büro. Es konnte beginnen!

 

Hamburg spielte in zwei Mannschaften - die eine rechnete sich Siegeschancen aus, die andere stellte den Spielspaß in den Vordergrund. So wirklich unterscheiden konnte das aber kein Unbeteiligter. Natürlich spielten beide Mannschaften ernsthaft auf Sieg und hatten viel Spaß dabei. Das jährliche Kräftemessen der "alten Bekannten" wie Villingen-Schwennigen, Stolberg, Stuttgart, Saarbrücken, Aachen und Neuss, von unseren Gastgebern ganz zu schweigen blieb allerdings sehr durchwachsen. So wurde rasch deutlich, dass Hamburgs wilde Mannschaftswürfellei die Siegeschancen minimierte. Trotz allem ist und bleibt Hamburg ein unberechenbarer Gegner und auch unsere noch nicht turniererfahrenen Kämpfer konnten allen zeigen, welch großes Potential aus der Hansestadt zu erwarten ist. Das ist der Moment, in dem der Wasserballwart (der leider krankheitsbedingt ausfiel, obwohl er so gern mit dabei gewesen wäre) den Kopf schräg hält, die Stirn in Falten zieht und sich über das blumige Geschreibsel wundert. Also hier noch einmal im Klartext: Die Alten lenkten den Gegner mit Sex, Drugs & Rock'n'Roll ab und die Youngsters mussten die Kartoffeln dann wieder aus dem Feuer holen. Alles wie immer. Bei Sportteam II hieß das, dass Dennis und Maurice uns zeigten, wie man Wasserball spielen sollte und bei Sportteam I teilten sich Sascha und Lukas diese Aufgabe, wobei sie Unterstützung von Marcel bekamen, der dieses Turnier pfiffig umsetzte.

 

Der Samstag war hart und ein Spiel jagte das nächste, das befürchtete Chaos blieb aus. Nach dem anstrengenden Pflichtteil durften wir uns fix ins Vereinsheim fahren lassen, wo die Kohlehydrate schon dampfend auf dem Tisch standen. Ob man nun Möhren mag, oder nicht, die Nudeln sind ein jährliches Highlight, wobei die Konsistenz des Zeuchs um die Nudeln herum immer wieder eine Überraschung ist. Nachdem also alle Männer den Gemüseanteil aus dem Gericht herausseziert haben (Echte Männer essen keine Blumen!) und sich dem Fleischanteil widmeten, kroch die Müdigkeit rasch herauf, so dass es an der Zeit war, unsere alten Energiesparlampen zu zünden. Ab 30 dauert das mit dem Vorglühen lange und bis der Funke zur strahlenden Helligkeit aufglomm, produzierte Hamburg viel Einwegpfand. Pünktlich zur Party schwang dann die Gemeinschaft alle verfügbaren Hüften - wie ein jeder weiß: Die Party in KL ist superspitze! Zwar bin ich der Meinung, mein Pensum an YMCA sei definitiv überschritten und so schön/egal kann man sich solche Titel einfach nicht trinken, ohne kurz darauf mit Blaulicht eingeliefert zu werden, aber viele sind der Auffassung: Ach, einer geht noch! 

 

Hamburg machte viel mit. Tolle Musik, miese Musik, alles dabei und Hamburg mitten drin. Der Tresen vibrierte, im Feldlager ein Stockwerk tiefer drohte alles in sich zusammenzufallen. Die Youngsters wurden schnell eingegliedert und fühlten sich, bis auf zwei zarte Ausnahmen, mitten im Gewühl doch recht wohl. Stuttgart hatte sein Partymobil direkt vor der Haustür geparkt und alle rätselten, wer nach dem Prinzip der Reise nach Jerusalem alles drin pennen würde. Ich gehöre zu den glücklichen Gewinnern des nächsten Morgens, die mit eigenen Augen sehen konnte, wer drin nächtigte. Aber das gehört nicht hierher. Wer genaueres wissen möchte, bitte email an mich - ich mag am liebsten trockenen Rotwein...

 

Der zweite Teil der Party ist, wie soll ich schreiben, vernebelt. Vernebelt trifft es am besten - man feiert nur noch mit der Hälfte, denn die anderen stecken schon im Bett, oder zumindest was sie dafür halten. Jetzt kommt der Absatz, in dem ich das Gelsenkirchener Barock der Vereinsheiminneneinrichtung loben werde, denn an den Schnörkeln kann man sich prima die Dekoration entlang zum nächsten Ziel (Bett, Tresen, Besetzungscouch oder Toilette) hangeln. 

Die Party klang ab, das erste Mal, dass ich so spät oder so früh, je nach Standpunkt, noch auf den Beinen war. Noch dreimal einatmen und schon klingelt der Wecker zum Frühstück. Der Tag der klaren kalten Luft begann. 

Auch Kaiserslautern war durch die Party getroffen. Die sonst perfekte Organisation wies Lücken auf - fast wäre das erste Spiel der Hamburger verschoben worden, weil Hamburg unbedingt ausprobieren musste, wie sich -15°C nach dem Frühstück so anfühlen würde. So stand Hamburg im Freien, machte Atemwolken und freute sich über den Schnee. Lautern lockte mit altbekannten Mitteln und schon sprangen die Kämpfer brav in ihr Becken. Doch die Kälte ist nichts für die Norddeutschen. Hamburg gewann am Sonntag nicht ein Spiel und belegte am Schluss Platz 10 und Platz 7. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch. Denn Hamburg hatte viel Spaß, sich gegen seine Süddeutschen Freunde zu messen. 

 

Es gab viele Wiedersehen und mehr als "nur" Wasserball. Die zwei Tage sind schon wieder in Windeseile vergangen und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, trotzdem was ganz wichtiges verpasst zu haben - außer sich bei den Gastgebern herzlich zu bedanken, natürlich! Das Turnier war wie immer (und das muss man erst einmal hinbekommen!!) flüssig und toll organisiert. Vielen Dank an "Stranz", Nicole, "M", Bianca, Melanie und all den KL'nern, die das zustande gebracht haben!

 

Schon war die Siegerehrung vorbei, ist man sich ein letztes Mal in die Arme gefallen und steht man auf dem Bahnhof und stellt fest, dass der Zug ausfällt.

 

Ach ja, ich könnte jetzt viel über das Ärgernis berichten, aber dann müsste der Bericht einen anderen Titel bekommen. Fakt ist, wir nahmen einen vollkommen überfüllten TGV aus Frankreich und fuhren direkt nach Frankfurt. Dort standen wir, frierend und ausgehungert in der zugigen Bahnhofshalle und warteten auf den ICE nach Hamburg. Ein großes Theater. Auf der Heimfahrt dann lernten unsere Youngsters dann das allerwichtigste: Skat. Carsten und Holger zeigten Sascha und Dennis, wie's geht. Ich durfte Karten halten. Gewonnen habe ich natürlich gegen alle vier, aber als wir dann nur noch zu dritt spielten, waren wir nach endlosen Ramschrunden auch schon in Hamburg eingefahren. 

 

Schon vorbei. Schade. Wann treffen wir uns wieder??

 

Liebe Grüße und bis zum nächsten Jahr

Chrischi